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Angewandte Realitätsferne

Ein Blog über ERASMUS-Austausch mit Prag aus der Sicht eines Computerlinguisten (auch interessant für Linguisten und Informatiker und allgemein für Austauschstudenten in Prag).

Alphabetischer Index:
Caput RegniEinkaufen 1Einkaufen 2Einkaufen 3Essen 1Essen 2Essen 3
Essen 4Essen 5 Essen 6EUFußballGaiman was hereGeheimnamen
HandyHockeyInsiderwissen JosefovKino, Oper, MusikKleinkram John Lennon
Linux-ExpoMetroMetroMFF Mala StranaMondfinsternisMusikNo? No. No!
OrientierungOrientierung 2Park(en) erlaubtPost, Polizei, NahverkehrRadioSchein oder nicht ScheinSemesterbeginn
Sightseeing 1Sightseeing 2Sightseeing 3SpazierenStromausfallTelephon!Theater
Tschechisch 1Tschechisch 2Tschechisch 3Tschechisch 4Tschechisch 5Tschechisch 6Übungsgruppen
UngarninvasionUNIXWinterschuleWohnheimWohnheim 2Wohnheim 3Zusammenfassung

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 28.03. 2004: Tschechisch 5 /\ 
 
Spracherwerbsselbstanalyse, Teil 5? Was auch immer, nach einen Monat kann ich sagen, dass der 3-Sekunden Effekt (ich muss bei bekannten Dingen mindestens 3 Sekunden über etwas nachdenken, bevor ich es ansatzweise verstehe), immer noch besteht, nur kommt er inzwischen bei mehr Vokabeln zu einem Ergebnis. Bei halbbekannten Wörtern in neuen Kontexten geht das Verstehen schneller (zuvor waren es mind. 3 Min), heute ist mir z.B. beim Lesen eines Plakates aufgefallen, dass "Pra-zdroj" "Ur-quell" heissen muss, wobei aber "Quellenangabe" doch eigentlich immer "pramen" hiess... so wie in... "Staropramen" -- Altquellenbier? Aha! ;-) usw.

Doof ist es, wenn einen jemand mit irgendetwas belanglosem anspricht, z.B. "Jezdi¹?" (fährst Du?) am offenen Fahrstuhl -- "jezdit" ist doch eine Vokabel, die ich schon kenne, warum braucht mein Gehirn dafür so lange? Wenn man da nicht gleich reagieren kann, verpasst man sicher auch Chancen, mal auch unter den Studenten ein paar Bekanntschaften zu machen. Und wenn man nur langsam mitkommt, kann man halt auch schlecht beiläufig in ein Gespräch einsteigen.

Am verständigsten sind auffälligerweise die Ausländer: Nicht nur die chinesischen Händler und eine armenische und eine slowakische Mitbewohnerin, sondern auch die ukrainische Uni-Putzfrau und zwei Halbarabisch-Tschechische Kollegen waren bisher diejenigen, die mit meinem kanakisch-tschechisch noch am geduldigsten waren, und sich Mühe gaben, auch mal was zu wiederholen oder zu paraphrasieren. Die nicht linguistisch interessierte Hälfte der Tschechen akzeptiert mein Radebrechen leidend, aber unbegeistert, mit Tendenz zur Skepsis. Radebrechen heisst übrigens "lámat èe¹tinu" oder so ähnlich. :-)

Offenbar bin ich in der nach der Entdeckerin benannten "Guddi"-Phase: In der greift man entweder die paar Wörter, die man verstanden hat, auf, und wiederholt sie in Frageintonation (aber möglichst anders konjugiert); und wenn man nichts verstanden hat, fragt man irgendetwas selbst formuliertes, was thematisch in den aktuellen Kontext passt, a la, "Meinst du X?"... Seltsam, wie oft man aus dem Kontext Worte versteht, die man gar nicht kennt, und Worte nicht versteht, die man sehr gut kennt.

PS: Ich glaube, ich habe rausgefunden, was Doofnase auf Tschechisch heisst, Honza! Hätte mich auch gewundert, ein Männername (Hans?) auf -a?

PPS: Hä? Ne. Es gibt doch Männernamen auf -a, Jirka oder Ondra z.B. ... Argh.
 
2008-08-26 14:39

 
 28.03. 2004: Essen 4 /\ 
 
Ein weiteres Restaurant, wo man für einen guten Preis (< 100Kè) zentral was zu essen kriegt, ist das "u Knihovny"(?) irgendwo in der Staré Mìsto. Es ist ziemlich klein (und oft voll), dafür ist das Essen echt "echt" tschechisch, und die Bedienung verzeiht einem seine... ERASMUS-tschechische Aussprache, und versucht auch, Tschechisch mit einem zu reden, statt gleich Deutsch oder Englisch. Wie in Italien kostet der Brotkorb etwas, allerdings nur soviel, wie man davon genommen hat, was fair scheint? Ausserdem haben wir gelernt, dass man etwas, das Køen heisst, nicht in grösseren Mengen pur essen sollte, auch wenn es wie geraspelter Käse aussieht... aber ansonsten mag ich Meerettich eigentlich, vor allem auf Schinken.

Kurz bevor Hanna und ich gingen, tauchten dort noch 4 bayrische Biertouristen (äh, Studenten!) auf, die sich in den Seitenstraßen um den Staromìstské Námìstí verirrt hatten, und nur durch Glück bei dem günstigen Preisaushang hängengeblieben waren. Da konnten wir gleich angeben, und ihnen mit der Speisekarte helfen, in der englischen Hälfte stehen nämlich nicht alle Gerichte drin...
Sie waren offenbar zum Partymachen hier, aber dank ihres Katers von gestern waren sie heute ziemlich ruhig und still. ;-) Ich bin mir nicht sicher, ob sie wussten, in welcher Stadt sie waren ("Was gibt's hier so? Da war vorhin so 'ne Brücke"). Wir legten ihnen auf eigenen Wunsch erstmal die drei wichtigsten Vokabeln (Dobrý Den, Ahoj, Dìkuju) und die Besichtung der Burg ("Ähä... Burg...??") ans Herz, aber ich glaube, sie sind wahrscheinlich doch in die Disko gegangen und haben weiter bayrenglisch gesprochen... Wenigstens standen sie nicht auf dem Altstädterring wie die Spanier mit der Gitarre, und wollten noch Geld für ihr Gesinge! ;-)
 
2008-08-26 14:39

 
 29.03. 2004: Metro /\ 
 
Für jemanden, der im Wohnheim in Chodov wohnt, sind die Prager Metros von der Tiefe her auch gleich der Nützlichkeit nach angeordnet:
- Die Rote Metro (C), die man ständig braucht, ist direkt im "ersten Untergeschoss", an manchen Haltestellen sieht man sogar Tageslicht. Sehr praktisch und immer schnell zu erreichen.
- Die grüne Metro (A), die desöfteren ganz nützlich ist, ist schon mit ein wenig mehr Zeitaufwand im zweiten Untergeschoss der Stadt zu erreichen.
- Und die Gelbe Metro (Bäh) ist so tief unten, dass man nicht nur 10 min alleine für die Rolltreppenfahrt und den langen Weg zum Gleis braucht, sondern dass die Erbauer aus gutem Grund die Decken sehr hoch bauen und weiss streichen mussten, damit die Leute keinen tiefseetauchermäßigen Panikattacken kriegen. Ich würde echt gerne mal den Luftdruck messen, ob das nur Einbildung ist?? ;-) Die Gelbe lohnt sich auf jeden Fall nicht für nur eine Haltestelle, nicht nur wegen dem langen Weg runter/rauf, sondern auch weil sie einen langsameren Takt zu haben scheint -- die gelbe Metro wird nicht grundlos "Bäh" genannt. :-6

PS: Nach einem Monat verspürt man den Drang, die Metros optimieren zu müssen: In welchem Wagon x muss ich an Haltestelle Y einsteigen, wenn ich zu Haltestelle Z will, um so nahe wie möglich am Ausgang (bzw. an der * Umstiegsrolltreppe) anzukommen? Hmm...

von XX nach YY -> Waggon
--------------------------
Chodov I.P.P. -> vorne
Chodov Muzeum -> hinten
Chodov Muzeum* -> mitte
Muzeum MaloSt -> hinten?
Muzeum Chodov -> vorne
MaloSt Muzeum -> hinten
MaloSt Muzeum* -> mitte
I.P.P. Chodov -> vorne
to be continued...
 
2008-08-26 14:39

 
 02.04. 2004: Linux-Expo /\ 
 
www.linux-expo.cz

Am Freitag war ich also auf der prager LinuxExpo. War klein und überschaubar (nix Cebit, und nix LinuxTag), und es gab Vorträge. Von denen ich natürlich nicht viel verstanden habe, außer einem, der von einem Polen auf Englisch gehalten wurde. ;-)

Sein linux heisst Aurox - das hat nix mit etwas erhabenem wie Aurora zu tun, sondern mit dem polnischen Aurochsen! :-) Aurox basiert auf Fedora und hat den Schwerpunkt auf Internationalisierung, DAU-Freundlichkeit und RAM-Schonung (Zielgruppe: osteuropäische Schulen, Kleinfirmen, uralt-PC-User). Es enthält nur todsichere (alte) stable-Programme, aber dafür für jede Sprachversion die beliebtesten Custom-Linuxtools des jeweiligen Landes. Auch sie arbeiten gerade an einer live-CD -- seit Knoppix machen das alle. Das erste tschechische Knoppix heisst übrigens Danix (jetzt sogar mit slowakischer Sprachversion! Supi).

Ausserdem gab's Mandrake, was hier am beliebtsten zu sein scheint. Dann hatte einer noch ein plattformunabhängiges (?) Linux names Blue-irgendwas, auf jeden Fall lief es friedlich auf einem iMac und auf einem PC. Auf dem iMac konnte man dann MacOnLinux starten, und darin MacOSX und OS9 benutzen (Mist, hätte ihn fragen sollen, ob die inter-OS-Zwischenablage funktioniert!), und im MacOS kann man dann virtual-PC mit Windoof drin starten, alter Witz. :-)

Sonst nur Internet- und Webhosting-Provider, Spezialhardware (hier sind sogenannte "Stille PCs" gerade in, aber da es so laut war, ist mir ihre Stille nicht aufgefallen). Faszinierend, das es in einem kleinen Land so viele Firmen gibt. ;-)
 
2008-08-26 14:39

 
 04.04. 2004: Radio /\ 
 
Radiohören ist eine gute Methode, um ganz schematisch den Vokativ zu üben: Es rufen Hörer an, und sagen als erstes ihren Namen im Nominativ, woraufhin der Moderator den Namen im Vokativ wiederholt. :-) He... Ich sollte da auch mal anrufen, ich hab nämlich immer noch keinen, schnüff!

Die Tschechische Musik ist generell ziemlich anhörbar, es gibt alles, Cowboy-Truck-Country-Banjo-Musik (OK, ein Musikstil, der mich sprachunabhängig nicht gerade begeistert), Hip-Hop und Rap (klingt extreeem strange auf tschechisch), ;-) und normale Pop-Musik von schnulzig bis nette-Hintergrundunterhaltung. Falls es irgendwo ein total innovative Band gibt, habe ich sie noch nicht gehört, andererseits habe ich nur selten etwas "total schreckliches" gehört. Die Sender spielen eine ähnliche Musikauswahl wie in Deutschland, natürlich ohne die "Bohlen-Superstars". Stattdessen kommen wahrscheinlich die tschechischen "Superstars", die ich nicht erkenne. ;-) Ja, die Sendung gibt es hier auch...
 
2008-08-26 14:39

 
   
2008.08.26

http://www.ruthless.zathras.de/