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Angewandte Realitätsferne

Ein Blog über ERASMUS-Austausch mit Prag aus der Sicht eines Computerlinguisten (auch interessant für Linguisten und Informatiker und allgemein für Austauschstudenten in Prag).

Alphabetischer Index:
Caput RegniEinkaufen 1Einkaufen 2Einkaufen 3Essen 1Essen 2Essen 3
Essen 4Essen 5 Essen 6EUFußballGaiman was hereGeheimnamen
HandyHockeyInsiderwissen JosefovKino, Oper, MusikKleinkram John Lennon
Linux-ExpoMetroMetroMFF Mala StranaMondfinsternisMusikNo? No. No!
OrientierungOrientierung 2Park(en) erlaubtPost, Polizei, NahverkehrRadioSchein oder nicht ScheinSemesterbeginn
Sightseeing 1Sightseeing 2Sightseeing 3SpazierenStromausfallTelephon!Theater
Tschechisch 1Tschechisch 2Tschechisch 3Tschechisch 4Tschechisch 5Tschechisch 6Übungsgruppen
UngarninvasionUNIXWinterschuleWohnheimWohnheim 2Wohnheim 3Zusammenfassung

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 29.02. 2004: Essen 2 /\ 
 
Ein schönes Restaurant für Leute, die auf die 20-30er-Jahre und/oder tschechische Spezialitaeten stehen, ist das "ztratil a nalesen" (oder so ähnlich, "verloren und gefunden" auf jeden Fall). Es ist ganz in altmodische Photos und Schilder gekleidet, und die Speisekarte ist im Stil einer Zeitung aus den Zwanzigern oder Dreißigern, mit Anzeigen, alten Photos und Sprüchen wie "Wenn Sie Ihren Kopf verloren haben, finden Sie hier einen neuen" (und dazu alte Portrait-Photos).
Man findet es an einer in Blickrichtung liegenden Ecke, wenn man mit dem Wenzelsplatz im Rücken links am Muzeum vorbei geht, die Vinohradska hoch, ein Stückchen nach dem Tschechischen Rundfunk (Rozhlas) auf der rechten Strassenseite.

Ein gutes Eiscafe, "Ovocny Bar", findet man am Wenzelsplatz in der Passage (wahrscheinlich in der Vodièkova oder die Parallelstraße), es hat auch noch eine zweite Filiale in einem OG auf der Westseite des Wenzelsplatzes. Ich bin mir nicht so sicher, ob es ein Eiscafe ist, das sein Eis mit besonders viel Obst seriert, oder ein Obstladen, der die Leute durch eine Eisgarnitur zum Obstessen animieren moechte. ;-) Kuchen gibt es dort natürlich auch.
 
2008-08-26 14:39

 
 29.02. 2004: Orientierung 2 /\ 
 
Das Geheimnis der Prager Hausnummern habe ich auch rausgekriegt, aaalso: Es gibt rote und blaue Hausnummernschilder. Die roten sind die alten, sie zeigen den Stadtteil, und das wievielte Haus in dem Stadtteil es ist (in Baureihenfolge oder so). Wenn nur eine Nummer angegeben ist, ist es in den meisten Fällen die rote, was u.U. eine längere Suche zur Folge hat, wenn die Häuser nicht in Baureihenfolge nebeneinander stehen... Sind zwei Nummern mit Schrägstrich angegeben, ist die zweite die blaue Hausnummer, die genauso funktioniert wie die Hausnummern in z.B. Deutschland auch, also mit geraden Nummern auf der einen und ungeraden auf der anderen Straßenseite.
 
2008-08-26 14:39

 
 03.03. 2004: Einkaufen 1 /\ 
 
In der Umgebung der Metrostation Narodní Tøida (ja eigentlich auch in den meisten anderen Metrostationen) und z.B. am Hauptbahnhof gibt es sogenannte "Bazar"e, wo man verdächtig billige "Secondhand" Handys, Diskmen und Digicams etc. kaufen kann -- die Grenze zwischen gebraucht und geklaut beträgt dabei eventuell weniger als nur 4 Buchstaben. Falls man sich trotzdem von den wirklich unnormal günstigen Angeboten überzeugen lässt, auf jeden Fall darum bitten, das Gerät (und auch das Ladegerät) vor dem Kauf im Laden selbst ausprobieren zu dürfen. So kommt man billig an ein Nokia für 800 Kronen... Meinen ersten Applehändler habe ich heute zufällig in der Ibsonova am Namìstí Miru entdeckt, wie es sich gehört mal wieder sehr versteckt. In der Senova¹ná, ziemlich direkt am Pra¹na Brána (Achtung, da steht noch ein zweiter solcher Turm, der genauso aussieht, nur neben einer Kirche), gibt es einen schönen prototypischen Antiquitätenladen. Alles gut zu wissen, falls man's mal braucht...

Und -- also entweder sind die Tschechen übergründlich, oder haben einen selbstironischen Humor, oder beides: In Nordamerika gibt es doch so "Alles für einen Dollar"-Läden. Die gibt es hier neuerdings auch. Nur heissen sie hier 39 Kronen.... Wenigstens ändert sich sich der Name nicht, wenn sich der Kurs ändert... :-)

Vielleicht ist das in Großstädten normal, aber ich finde es gewöhnungsbedürftig, dass in jedem Laden (manchmal sogar im Lebensmittelgeschäft) Sicherheitsleute stehen, die sich sowohl ihr Misstrauen als auch ihre Dauercoolness rund um die Uhr am Gesicht anmerken lassen. Von der ostentativen Überwachung harmloser (blonder) Studenten lassen sie allerdings ab, sobald eine kleine Gruppe schwarzhaariger Mitbürger den Laden betritt. Die haben zwar auch nichts getan, aber Abschreckung ist alles. Muss mal nächstes Mal drauf achten, ob braunhaarige genauso überwacht werden, oder ob die einen Tschechen-Bonus kriegen. ;-)

Achja, apropos Geld, wenn sich jemand wundert, warum es keine kleineren Mützen mehr gibt als 50 Heller -- die wurden offenbar Ende 2003 abgeschaft! Die noch im Umlauf befindlichen finden ein neues Zuhause bei eBay... Also nicht wundern, wenn die Verkäufer wie in Italien die "Pfennige" auf- oder abrunden. Meine Postbank SparCard wird übrigens bei so gut wie allen Geldautomaten akzeptiert (das VisaPlus-Symbol haben fast alle) -- man muss nur darauf achten, die Postbank-Karte in dem Dialog als Kreditkarte auszugeben.

Direkt an der Metrostation Chodov, in dessen Nähe das Kolej Ji¾ní Mìsto sich befindet, ist übrigens ein total süßes Kaufhaus namens Billa / Rù¾e. Süß, erstens weil total unauffällig in einem ungenutzt scheinenden Gebäude untergebracht, und zweitens, weil es innen einem Kramladen gleicht: Es ist voll mit Dutzenden kleinen Lädchen, die z.T. in kleinen Kabuffs untergebracht, oder nur durch Spanische Wände voneinander getrennt sind, die Reduzierungsschilder sind von Hand geschrieben, es gibt kaum Marken -- irgendwie visuell (und finanziell) sehr erholsam. Der komplette 2. Stock ist on chinesischen Händlern belegt, die an Ständen Mode, Taschen, und Schuhe verkaufen, im EG gibt es herzlos zubereitete aber gut schmeckende Pizza für 20 Kronen ( 60 eurocent?).
 
2008-08-26 14:39

 
 06.03. 2004: Telephon! /\ 
 
Da es auf den Wohnheimzimmern kein Telephon gibt, und ich die tschechische SIM-Karte von meinem Austauschvorgänger Ollie übernehmen konnte, telephoniere ich in Tschechien via den Anbieter Eurotel, es gibt ansonsten noch Oskar und T-Mobil -- Welcher besser ist, ist schwer zu sagen: Eurotel hat angeblich die bessere Abdeckung, und hat bessere Preise für Ferngespräche. Oskar ist anscheinend billiger im Inland, über andere weiss ich nichts. Ich bin mit Eurotel ganz zufrieden, ich hatte bisher überall Empfang, sogar in den U-Bahnstationen, die Tonqualität ist gut, und eine SMS kostet mich 2 Kronen (6 Eurocent).

Am besten finde ich an Eurotel die "mysteriösen Botschaften" auf dem Handy-Display: Egal wo ich bin, mein Handy weiss es besser. Bin ich im Wohnheim, steht da "P4 Chodov Kunratice". P4 ist der Stadtteil, und heisst nicht "vierter Stock" ("patro"), wie wir erst meinten! ;-) Sitz ich in der roten Metro, steht auf dem Display "Metro C". An der Informatik steht da "Mala Strana", bzw. im Physikergebäude "Nove Mìsto", usw. Ideal also for the locationally challenged! ;-)

Ausserdem kann ich jetzt beim SMS schreiben sogar schon kontrolliert die 2. und 3. Buchstaben pro Taste erzeugen (statt zufällig, man muss bloß auf das Blinkverhalten des Cursors achten. "Duh!"), und mit etwas Nachhilfe von Nelly weiss ich jetzt sogar, wie man (dass man!) in SMSen sogar große und kleine Buchstaben schreiben kann... Es gibt tatsächliche eine Shifttaste. Und ich hab mich immer gewundert, wie die anderen Leute das hinkriegen! =-) Das kommt davon, wenn man ein Gebrauchthandy ohne Handbuch kauft.
 
2008-08-26 14:39

 
 09.03. 2004: Tschechisch 4 /\ 
 
Man denkt ja, in der Informatik kommen doch eh nur englische Begriffe vor, und das kann ja auch auf Tschechisch nicht allzu schwer zu verstehen sein. Allerdings muss man sich natürlich noch an die neue Aussprache der (im Endeffekt doch seltenen) englischen Worte gewöhnen: Am nettesten fand ich bisher "Po-wärr-point". Ein "Dots" ist sowas ähnliches, auch in englischen Wörtern wie "doc" wird das c wie "ts" gesprochen. Was ich allerdings sinnvoll finde, ist, die Kommandos "cut" und "cat" eindeutig zu machen, indem man sie "tsutt" und "tsatt" ausspricht, das sollte man in Deutschland auch einführen. :-) Die Deutschen übertreiben es ja eher in die andere Richtung, und sprechen eher mehr Englisch aus als nötig (der sog. Brathering-Effekt!), aber man gewöhnt sich schnell an die tschechische Aussprache, weil sie sehr systematisch ist.

Zum Beispiel, exotische ausländische UNIX-Kommandos wie "pwd" spricht man auf Tschechisch "pH-wH-dH" aus (also nur mit Schwa, nicht "pewede", oder "piwidi", oder gar "päwädä", wie man das im Sprachkurs lernt!). Und das ziehen die die ganze Vorlesung lang durch, z.B. "eH-tH-tsH-passH-wH-dH" ("/etc/passwd"), usw., ganze Sätze von Befehlsfolgen werden so vokallos diktiert. Achja, und falls sich schon mal jemand gefragt hat, warum das Kommando "inVerse grep" "grep -v" ist, jetzt wissen wir's, es ist eigentlich die Abkürzung für "grep vopak"! (opak = Gegenteil, Wörter mit o- am Anfang werden aus irgendeinem Grund oft "vo-" ausgesprochen, das System dahinter habe ich noch nicht durchschaut). Allerdings kann man dem UNIX-Dozenten (Forst) nicht ganz trauen, da er auch behauptet hat, das f in "rm -f *" würde für Forst stehen... ;-)

Und natürlich kommt kein Wort undekliniert davon, im Radio hört man nicht nur tschechische Cowboymusik, sondern auch Madonnu und ABBU. Und wenn die Worte sich weigern, werden sie einfach diminuiert: Die Programmiersprache "C" ist zu kurz, und erweist sich als nicht sehr deklinierfreudig? Kein Problem, so ein kleines liebes braves "Tsetschko" wird sich doch wohl ein bisschen deklinieren lassen, hmmm? -- Diesen etwas unerwarteten Zusammenhang zwischen Schreibung und Aussprache muss man als Nichtmuttersprachler in der C-Vorlesung erst mal blicken. :-) Auch Jednièka ist so ein Wort, ein Einsileinchen, das bei der Initialisierung einer Variablen zugewiesen wird.

Apropos Radio, da ist so ein Typ in der Werbung, der Wörter wie "královské" "g-ch-aloffsgee" ausspricht, soll das ein deutscher Akzent sein? =-) Die sollten sich mal den "Tschechischer Tontechniker"-Sketch von Badesalz anhören... Lustitsch! ;-)
 
2008-08-26 14:39

 
   
2008.08.26

http://www.ruthless.zathras.de/