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Angewandte Realitätsferne

Ein Blog über ERASMUS-Austausch mit Prag aus der Sicht eines Computerlinguisten (auch interessant für Linguisten und Informatiker und allgemein für Austauschstudenten in Prag).

Alphabetischer Index:
Caput RegniEinkaufen 1Einkaufen 2Einkaufen 3Essen 1Essen 2Essen 3
Essen 4Essen 5 Essen 6EUFußballGaiman was hereGeheimnamen
HandyHockeyInsiderwissen JosefovKino, Oper, MusikKleinkram John Lennon
Linux-ExpoMetroMetroMFF Mala StranaMondfinsternisMusikNo? No. No!
OrientierungOrientierung 2Park(en) erlaubtPost, Polizei, NahverkehrRadioSchein oder nicht ScheinSemesterbeginn
Sightseeing 1Sightseeing 2Sightseeing 3SpazierenStromausfallTelephon!Theater
Tschechisch 1Tschechisch 2Tschechisch 3Tschechisch 4Tschechisch 5Tschechisch 6Übungsgruppen
UngarninvasionUNIXWinterschuleWohnheimWohnheim 2Wohnheim 3Zusammenfassung

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 24.02. 2004: Tschechisch 3 /\ 
 
Meine neusten Theorien zur Bedeutung der Tschechischen Interjektion "no!": Die Bedeutung tendiert nach aktueller empirischer Forschung immer mehr Richtung positive Interjektion: Zur Zeit tippe ich auf "na eben!", "genau!", "jupp!".

Weitere wichtige Worte in der Konversation sind "Blbost" (so ne Art Backspacetaste beim sprechen, "Äh ne, Blödsinn"), "chapi¹?" ("weisste?", "gell?"), und "nechapu" ("Häää?"). Letzteres ist nicht zu verwechseln mit "nerozumim", was Nichtverstehen im Sinne von "das habe ich noch nicht gelernt" bedeutet, und nicht "Oh Mann, ich bin einfach zu doof, um das zu kapieren".

"Kolejenka" muss man auch kennen, das ist der "Wohnheimausweis", den man als Student im Wohnheim bei allen möglichen Gelegenheiten braucht, wenn man Bettwäsche leihen will, in den Aufenthaltsraum, ins Internet, in den Wasch-, Trocken- oder Fernsehraum, oder wenn man nachts zu spät zurückkommt.

Das Langenscheidt Taschenwörterbuch stellt sich immer mehr als tatsächlich nicht so qualitativ heraus. z.B. ist in meiner Auflage irgendwo ein Teilabsatz völlig sinnloserweise doppelt, und viele Wörter existieren in der einen Richtung, aber in der anderen nicht, bzw. sie haben in jeder Richtung eine andere Bedeutung; und wenn es mehrere Übersetzungen (Umgangs- und Schriftsprache, verschiedene Situationen, z.B.) gibt, unterscheidet es zwischen ihnen oft schlecht oder gar nicht, man weiss nie, welches man nehmen soll.
 
2008-08-26 14:39

 
 24.02. 2004: Wohnheim 2 /\ 
 
Ätsch bätsch, wir ham 'ne neue Herdplatte! ("vaøíè") Die alte wurde nämlich immer rotglühender, auch im ausgeschalteten Zustand... Ohoh... Und da man wegen der diebstahlsicheren Montage nicht einfach den Stecker ziehen konnte, informierten wir den Diensthabenden der "Vratnice" (Tag und Nacht allzeit für die Studenten bereit), der die richtige Sicherung ausschaltete, und einen Handwerker für morgen früh herbeorderte.

Nelly hatte mir schon einen tschechischen Zettel für den Handwerker geschrieben, falls die Tschechisch sprechenden Mitbewohner morgen vormittag schon an der Uni sein sollten, der dann aber doch nicht nötig war. Denn was soll man sagen, der Handwerker war am nächsten Morgen um 9 zur Stelle, baute kommentarlos die alte Herdplatte aus, und eine neue ein, fertich. :-o Jetzt haben wir eine niegel-nagel-neue Doppelherdplatte statt des alten Spiralgewinderostdings. Muhahaha, okay, was ist hier noch alt, was soll ich als nächstes anbohren? ;-) Ehrlich gesagt ist das einzige, was ich hier echt noch brauchen könnte, ein paar mehr Regale im Bad. Und Efeu auf dem Balkon wäre auch hübsch!
 
2008-08-26 14:39

 
 26.02. 2004: Übungsgruppen /\ 
 
Ui, eben hat mich eine Dozentin "enttarnt". ;-) Sie hat mich irgendwas gefragt, und ich war so perplex, weil ich gar nicht wusste, was sie von mir erwartete, und aus irgendeinem Grund war Zögern und Nichtssagen die falsche Antwort... Nachdem ich ihr erklärt habe, dass ich nur ein harmloser ERASMUS-Student bin, war sie plötzlich doch sehr hilfsbereit, und hat mir in der Übung immer alles nochmal auf Englisch zusammengefasst, und geschaut, ob ich mitkomme. Und zum Glück habe ich in der Übung (Programmierkurs) zumindest folgen können, welches Programm wir öffnen sollen und was die Aufgabenstellung ist, das hat sie vielleicht auch veranlasst, mich nicht völlig abzuschreiben.

Meistens kann man ja getrost "nevim" ("weiss nicht") antworten, wenn man out-of-context etwas gefragt wird, aber... halt nicht immer... "Und wer sind Sie?" -- "Weiss ich nicht." -- "Sprechen Sie Englisch?" -- "Weiss ich nicht." -- "Verstehen sie mich überhaupt??" -- "Weiss ich nicht." -- "Aaaarrrrghhh..." -- "Auf.. dem... schwarzen... Schirm... sitzt... ein... grüner... Vogel!" -- "Achso! Sagen Sie das doch gleich." ;-)

Sehr hilfreich ist es, die Übungsgruppenleiter zu bitten, die wichtigsten
Sachen einfach an die Tafel zu schreiben, Tschechisch lesen ist einfacher als
hören. Hier Links zu zwei Online-Wörterbüchern -- beide haben kleine Fehler
(zumindest auf der deutschen Seite), deswegen nehnme ich immer die
Schnittmenge aus beiden. ;-)
http://www.slovnik.cz/
http://www.slovnik.seznam.cz/
 
2008-08-26 14:39

 
 27.02. 2004: Sightseeing 3 /\ 
 
Über die Burg berichte ich hier eher wenig, weil ich die Führung durch meine Tschechischlehrerin dort verpasst habe -- sie saß während meiner Kontaktierungsversuche im Funkloch in der Cafeteria der MFF, 4 Stockwerke unter mir...

[Apropos Stockwerke, hat irgendjemand den ersten Stock des MFF-Gebäudes gesehen?? Es gibt ein UG (-1), ein Erdgeschosss (0), und einen 2. Stock etc, aber wenn man im Treppenhaus ist, kommt nie ein erster Stock -- dort ist stattdessen über die ganze Breite eine hohle Wand eingezogen, hinter der man aktuelle Pop-Musik hört. Sehr mysteriös. ;-) Im Inhaltsverzeichnis des Hauses kommt der erste Stock auch nicht vor. Soll ich mal versuchen, ob man mit dem Fahrstuhl hinkann...?]

Von der Informatikfakultät MFF Mala Strana kommt man zu Fuß nicht nur zur Karlsbrücke, sondern auch zum Jesulatko (Prager Jesulein, Tram-Haltestelle Hellichova), wo ich allerdings noch nicht war. Geht man von der Metrostation Malostranska aus nach Norden die Straße hoch, kommt man über die Königliche Treppe zur Burg, am Tor oben hat man eine schöne Aussicht.

Übrigens eine allgemeingültige Aussage zum Sightseeing: Wenn man früh morgens kommt, wird man weniger über den Haufen gerannt, und kann oft sogar schönere Photos machen (ohne Menschenmassen, dafür mit besonderem Licht).

Auf dem Burggelände kommt man ganz zuerst an schicken Wachen und am Hungerturm fuer den Ritter Dalibor vorbei, der von der Bevölkerung heimlich mit Lebensmittellieferungen am Leben erhalten wurde, weil er so schön Geige spielte. Danach kommt ganz rechts hoch die Goldene Gasse (die man definitiv frühmorgens besuchen sollte), die ich mir für weniger überfuellte Tage aufhebe...
Weiter die Straße kommt man auf einen Platz mit der Jiøi-Basilika und natürlich dem, gerade frisch von der Restauration auferstandenen Dom, aussenrum sind irgendwelche Paläste. Immer weiter Richtung Westen, an der Post ("wir sind überall -- die Post"?!) vorbei durch einen Durchgang über einen Hof zu einem Platz. Dort sieht man Polizisten (die übrigens sehr coole schwarze Uniformen haben wie die Sicherheitsoffiziere von Babylon 5), die Taxifahrern hohe Strafen abknöpfen, weil diese zu völlig überteuerten Preisen doofnasige Touristen hier auf dem Burggelände herumkutschieren, ohne einen Passierschein zu haben... Kommentar Pavla: "Man sollte sie in der Moldau ersäufen." He, wenigstens wollte sie sie nicht aus dem Fenster werfen... ;-)
Ach ja, hier steht dann noch so ein Palast mit auffälligen Schlägertypenstatuen am Eingang. Hier auf diesem Gelände befinden sich tatsächlich Politiker bei der Arbeit (Aussenminister Fischer soll heute auf Besuch sein).

Viele Leute geben hier auf, aber man sollte die Neue Welt nicht verpassen (in der entgegen der Erwartung NICHT die Symphonie aus der Neuen Welt, sondern die Serienfolgen für "Pan Tau" geschrieben wurden). Auch Tycho de Brahe hat hier mal gelebt, und ein komischer Fischhund mit zwei Schwänzen (wer ihn entdeckt, darf ihn behalten). Am besten folgt man ein Stück den Schildern zu Loreta und dann den kleinen Sträßchen Konovnicka, Novy Svet, Cerninska, -- auf diese Weise kommt man nicht nur an einem super teueren aber auch super stilvollen "romantic" Hotel/Restaurant vorbei, sondern auch an Loreta, einem copyrighttechnisch in Italien geklauten Marienheiligtum.

In Loreta findet man tonnenweise goldverzierte und schon fast kitschige (meist Marien)Darstellungen an jeder Ecke und auch an der Decke. Begleitet wird das Ganze von einem Glockenspiel, dass der Glöckner wahlweise auch wie ein Klavier spielen kann (es gibt extra Noten dafür). In der Mitte steht eine Nachbildung der Nachbildung des Originalgeburtshauses von Maria -- Mmm-hmmm....
Aussenherum sind dutzende kleine und eine große Kapelle. In letzterer sollte man auf die zwei Statuen ganz vorne links und rechts achten, die hinter Glas sind: Das sind keine Statuen, sondern Menschenskelette mit Wachsgesichtern und echten Kleidern...
Wenn man in einer der kleinen Eckkapellen eine gekreuzigte Jesusfigur mit Frauenkleidern und Spitzenschuhen zu erkennen glaubt: Das ist die "Starosta" (?), eine tragische Prinzessin, die um ein Wunder bat, um nicht heiraten zu müssen, und später Nonne werden zu können -- letzteres hätte sie wohl lauter sagen sollen, denn das Gebet hatte den Erfolg, dass sie über Nacht durch einen hässlichen Bart verunziert wurde, sie ihr Zukünftiger nicht mehr wollte (yeah!), und sie prompt (ups) als Hexe gekreuzigt wurde. Auch 'ne Methode. Der ganze Laden ist ein wenig krass, es geht noch weiter: ;-)
Im OG ist eine Sammlung der "teuersten und unbenutztesten Monstranzen wo gibt". Wenn ihr Eure Blicke von den 6 Quadrillionen Diamanten und Bildchen und Schnörkeln lösen könnt, guckt euch auch die Decke an, die aussieht wie eine Glühbirnensammlung aus den 60er-Jahren (und keiner weiss warum). Wir hatten eher den Eindruck, dass da ein Spender ein saumäßig schlechtes Gewissen gehabt haben muss, oder was für Gründe hatte man vor 300 Jahren, der Kirche eine nicht hochhebbare Diamantmonstranz zu schenken...

Von Loreta geht man am besten weiter Richtung Südwesten zum Strahovsky Kláster. In diesem Kloster macht man es ganz schlau, und schmuggelt sich in eine zufällig anfangende Führung von einen Mönch, der nur Tschechisch spricht, und (seiner eigenen Aussage nach) keine Ahnung hat, und alles nur grinsend vom Blatt abliest. Hier im OG gibt es noch tonnenweise mehr berühmte Gemälde, und eine total modern scheinende überlebensgrosse gekreuzigte-Jesus-Figur, die in Wahrheit tausend Jahre alt ist. Im Garten macht man Postkartenmässige Panoramaphotos von Prag im Winter (oder was auch immer grad is').
Irgendwie hatte ich noch gedacht, der Mönch hat doch auf Tschechisch von irgendwas gesprochen, was Touristen normalerweise tun, aber was wir nicht tun werden/dürfen/sollen? Hab nur nicht verstanden, was.... Des Rätsels Loesung: "Unser genialer Plan" kulminiert letztendlich darin, dass wir uns genau die eine Führung rausgesucht hatten, die in die Bibliothek darf, und nicht nur im Gänsemarsch jeder einmal durch die Tuer linsen darf! :-o
Okeee... Wir latschen also eben mal kurz durch mehrere strenggeheime Räume voll antiker Bücher (die älteste Bibel usw...), die sich bis zur Decke stapeln. Sieht irgendwie aus wie bei uns zuhause, nur goldener. Hier gibt es lustige Sachen, z.B. eine hinter Buchattrappen versteckte Treppe, einen kleinen Lesetisch, der sich zu einer Trittleiter umklappen laesst, und einen grossen Lesetisch, den der Mönch "das MS Windows des Mittelalters" oder so nannte: Nämlich, Windows hat ja (soviel habe ich auf Tschechisch verstehen können) revolutionärerweise Fenster, in denen man mehrere Programme gleichzeitig haben kann; und dieser Lesetisch war um die waagerechte Achse drehbar, so dass man zwischen ca. einem halben Dutzend Tischplatten wechseln konnte, die durch ihre Aufhängung immer waagrecht bleiben, so dass geöffnete Bücher darauf liegen bleiben können. Ich sag's doch, Tschechnologie.

Nach dem Kloster ging es weiter zum Petøin-Huegel, wo man im Sommer angeblich unter jedem Baum ein Liebespaar aufscheucht, die alle hierher kommen, obwohl es nicht mal einen Funk-LAN gibt. ;-p Am besten geht man den Kreuzweg hoch, der nicht nur zu einer mini Eiffelturmfälschung und einem archaischen Zerrspiegellabyrinth führt (was tut man nicht alles für eine Weltausstellung...), sondern zudem ist auf jeder Kreuzwegstation ein politisch motiviertes Gedicht hingekrakelt... Den Themenbereichen nach zu urteilen muss der Urheber ein nationalistischer katholischer Anarchist gewesen sein...

Dort oben stösst man auch auf die Hladova Zed', eine völlig unnütze Mauer quer durch die Landschaft, die der König während einer Notzeit in Auftrag gegeben hat, um einen Grund zu haben, den arbeitenden Bürgern Geld zu geben -- die erste ABM der Geschichte? An dieser Mauer ist ein weiterer Aussichtspunkt mit Sicht auf die Burg und das Nationaltheather. Geht man zufuss bergab statt mit der ... "Bergbahn" (muhahahah, zum ersten Mal etwas, was in Heidelberg grösser ist als in Prag!!), kommt man am Macha-Denkmal vorbei, bei dem sich Paare küssen, das bringt Glück in der Liebe (weil Macha nur traurige Liebesgedichte geschrieben hat. Go figure.).

PS: Karel Oliva war heute zufällig an der Uni, hing in einem Büro lässig im Sessel mit den Füssen auf dem Tisch -- auch als Chef alles wie immer. ;-)
 
2008-08-26 14:39

 
 28.02. 2004: Theater /\ 
 
Heute war ich im Theater, eine Russin aus dem Tschechischkurs wollte da unbedingt vor ihrer Abreise hin, und ich bin mit. Wir sind einfach in das erstbeste Theater, Stavovske Divadlo gegangen, bei dem gerade eine Abendvorstellung anfangen sollte, und haben praktisch die 2 letzten Karten bekommen, für 200 Kronen (6,50Euro!) in der obersten Galerie in der Mitte, wo man exakt genauso viel sieht, wie auf den Plaetzen fuer 1000+ Kronen, nur halt von oben statt von vorne. Es war Figaros Hochzeit auf italienisch mit tschechischen Obertiteln, LOL!

War zwar ein wenig verwirrend, Italienisch zu hören und Tschechisch zu lesen, noch dazu war das wahrscheinlich noch lyrische Schriftsprache, ich hab nicht so ganz verstanden, worum es ging: Es gab drei Frauen und drei Männer (wobei einer von einer Frau gespielt wurde), die alle jeweils rechts fremdgingen und links heiraten wollten. Erst ging es ziemlich viel darum, das A sich vor B verstecken muss, damit C nicht merkt, dass D.... Dann kamen gegenseitige Verdächtigungen und Ausreden... Am Ende kam irgendein genialer Plan, im Zuge dessen sich die Damen alle als eine jeweils andere verkleideten, und somit erfuhr jede/r von der Untreue ihres/seines Partners. Dann hatten sie reinen Tisch, und konnten glücklich heiraten. OK, if you say so. ;-)
 
2008-08-26 14:39

 
   
2008.08.26

http://www.ruthless.zathras.de/