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Angewandte Realitätsferne

Ein Blog über ERASMUS-Austausch mit Prag aus der Sicht eines Computerlinguisten (auch interessant für Linguisten und Informatiker und allgemein für Austauschstudenten in Prag).

Alphabetischer Index:
Caput RegniEinkaufen 1Einkaufen 2Einkaufen 3Essen 1Essen 2Essen 3
Essen 4Essen 5 Essen 6EUFußballGaiman was hereGeheimnamen
HandyHockeyInsiderwissen JosefovKino, Oper, MusikKleinkram John Lennon
Linux-ExpoMetroMetroMFF Mala StranaMondfinsternisMusikNo? No. No!
OrientierungOrientierung 2Park(en) erlaubtPost, Polizei, NahverkehrRadioSchein oder nicht ScheinSemesterbeginn
Sightseeing 1Sightseeing 2Sightseeing 3SpazierenStromausfallTelephon!Theater
Tschechisch 1Tschechisch 2Tschechisch 3Tschechisch 4Tschechisch 5Tschechisch 6Übungsgruppen
UngarninvasionUNIXWinterschuleWohnheimWohnheim 2Wohnheim 3Zusammenfassung

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 26.10. 2004: Zusammenfassung /\ 
 
Achja, ich wollte ja noch "einen Schlusssatz" zu meinem ERASMUS-Aufenthalt in Prag schreiben!

Die Leute, mit denen man redet, machen den Haupteindruck eines Landes aus. Bei mir war der Eindruck zweigeteilt zwischen super nett und distanziert: Die Prager gingen nicht nur auf einen zu, weil eine "Sitte des oberflächlich Harmonie erzeugenden Smalltalks" es fordern würde, sondern halt nur, wenn sie wirklich Interesse hatten. Sie waren hilfsbereit und höflich, aber unaufdringlich. Angeblich wird viel hinter dem Rücken gelästert (das ist ja in Deutschland auch nicht anders?), ;-) aber man merkt wenigstens nichts davon, und Fremde werden nicht angestarrt, sondern einfach "sein gelassen".

Spürbare Unterschiede gab es darin, mit Pragern einerseits und Ausländern oder Halbtschechen andererseits ins Gespräch zu kommen. Ich habe mich noch nie zuvor so nett und ausführlich mit Chinesen, Finnen, Slowaken, Armeniern, Australiern und arabischstämmigen unterhalten wie in Tschechien! Vor allem Slowaken (Erkennungszeichen "Hej!") sind witzig, sie texten einen zu, dann sagt man, "Halt halt, ich kann vielleicht eben mal Tschechisch!", dann sagen sie "Ja, das ist normal." -- und reden einfach weiter slowakisch. :-) Die einzige gemeinsame Sprache ist nun mal meist Tschechisch, so lernt man eine Sprache natürlich am besten.

Unter den Pragern gab es natürlich auch ruhmreiche Ausnahmen, v.a. Studenten, die selbst einen Austausch mit Deutschland gemacht hatten, und andere sprachinteressierte Leute (CoLis/Linguisten, übersetzer, Sprachlehrer, eine Schülerin, die ein Sprachtandem machen wollte, Leute mit Verwandten in Deutschland). Ein paar wenige Verkäufer gaben sich Mühe, für Ausländer extra langsam und primitiv Tschechisch zu sprechen, im Gegensatz zu anderen Leuten (wie z.B. Kassiererinnen), die eine Verständigung unter diesen Umständen gar nicht erst versuchten.

Ich schreibe absichtlich Prager statt "Tschechen" allgemein, da es ja --ebenso wie in anderen Hauptstädten-- gut sein kann, dass die Leute außerhalb der Hauptstadt alle anders und viel lockerer sind, aber ich habe nur mit einer unrepräsentativen Menge Nicht-Pragern geredet.

Betreffs Lehre kann ich sagen, dass die Prager CoLi- und Informatikvorlesungen sehr qualitativ schienen. Man könnte gegenargumentieren, dass ich gar nicht soviel verstanden haben kann, um das Niveau zu erkennen. ;-) Aber ich meine, die Vorlesungen waren deswegen gut, weil sogar die wenigen Dinge, die ich als Tschechischanfänger in den UNIX-, C/C++-, und Java-Kursen (auch mit Hilfe der Skripte und Tafelanschriebe) verstehen konnte, mir sehr viel gebracht haben, ich habe tatsächlich was dazugelernt. Aufgrund des hohen Sprachniveaus würde ich allerdings behaupten, dass man als Nicht-Muttersprachler Kolloquien/Seminaren und Vorlesungen ohne Skript nur schwer folgen können wird. (Diese Leute machen Sätze, da freut man sich über jede Konjunktion!) ;-)

Die Übungsgruppenleiter waren sehr hilfsbereit, sobald sie gemerkt hatten, dass ich eine Austauschstudentin bin, und erklärten mir vieles nochmal auf Englisch -- v.a. nachdem es mir dank Educated Guessing ein paar mal gelungen war, den Eindruck zu erwecken, ich hätte die Erklärung schon größtenteils auf Tschechisch verstanden. ;-)

Alles in allem komme ich zum selben Schluss wie die meisten, die einen Auslandsaufenthalt gemacht haben, nämlich, dass es sich auf jeden Fall lohnt. Es ist die ideale Art, eine Sprache zu lernen, und es ist spannend, sich mal in eine neue Situation einzuleben.
 
2008-08-26 14:39

 
   
2008.08.26

http://www.ruthless.zathras.de/